Geduld
Herzensfrüchte

Geduld – eine Frucht des Geistes

In den vergangenen Tagen habe ich in mehreren Situationen gemerkt, wie schwer es mir fällt, in ihnen Geduld zu haben.

Es gibt so viele Dinge, auf die wir warten können: das Wiedersehen eines Freundes, Heilung, der nächste Schritt im Berufsleben, den Partner fürs Leben… Dabei wird uns oft gezeigt, wie sehr wir Geduld brauchen – und wie herausfordernd es meistens ist.

Ich bin grundsätzlich etwas ungeduldiger. Wenn ich mich auf etwas freue, kann ich es kaum erwarten, bis es soweit ist. Habe ich eine neue Idee, möchte ich diese gleich umsetzen. Habe ich eine Frage, hätte ich die Antwort gerne lieber früher als später.

In den letzten zwei Wochen fiel es mir aber deutlich schwerer. Teilweise war es zermürbend, dass ich warten musste. Ich warte ehrlich gesagt immer noch. Doch ich möchte damit besser umgehen.

Warum ist Geduld so schwer? Und was kann ich tun?

Vor kurzem sind mir mehrere Faktoren aufgefallen, von denen es abhängen kann, wie leicht oder schwer es uns fällt, geduldig zu sein:

  • der Drang und die Dringlichkeit
  • Vertrauen
  • und die Frage: Was mache ich in der Wartezeit?

Der Drang und die Dringlichkeit

Wie groß ist mein Drang, etwas haben zu wollen oder die Dringlichkeit, dass ich etwas brauche?

Der Drang

Müssen wir auf etwas warten, was uns nicht sonderlich bekümmert oder nicht wichtig ist, verlangt uns das Warten nur wenig Geduld ab. Ist es dagegen ein großer Wunsch, ist das Warten deutlich schwerer auszuhalten.

Es kann möglicherweise etwas unbequem sein, sich dabei die folgende Frage zu stellen: Warum ist mir das, worauf ich warte, eigentlich so wichtig?

Die Dringlichkeit

Ähnlich ist es mit der Dringlichkeit. Wenn wir unbedingt etwas benötigen, beispielsweise Heilung oder finanzielle Unterstützung, und dies mit einem zeitlichen Rahmen verbunden ist, ist der Rat nach Geduld selten das, was wir hören möchten.

Denken wir, dass uns die Zeit davon läuft, wird unsere Geduld schwindend klein. Hier kommen die anderen beiden Faktoren dazu: unser Vertrauen und unser Umgang mit der Zeit des Wartens.

Vertrauen

In den meisten Fällen brauchen wir dann Geduld, wenn etwas außerhalb unseres Einflussbereiches liegt.

Wenn man weiß, dass man mit Sicherheit etwas bekommt, fällt einem das Warten ein bisschen leichter. Die feste Zusage und die damit verbundene Gewissheit gibt einem Halt und eine feste Standfläche. Fühlt man sich dagegen machtlos, fällt es einem extrem schwer.

Darum hat Geduld sehr viel mit Vertrauen zu tun. Glaube ich der Zusage von Gott, kann ich mich an ihr festhalten. Ich selbst habe in der Situation vielleicht keine Macht und fühle mich schwach. Wenn ich aber weiß, wer Gott ist und dass er mich trägt, brauche ich mich nicht mehr der Situation alleine ausgesetzt fühlen.

„Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.“ (Hebräer 11:1 (Neues Leben))

Was mache ich in der Wartezeit?

Die Vorstellung, seine Zeit während des Wartens zu verschwenden, ist sehr hart. Besonders dann, wenn Drang oder Dringlichkeit groß sind.

Unser Warten muss aber nicht zwangsläufig Zeitverschwendung bedeuten. Hier sind zwei mögliche Varianten unter den vielen, was wir während der Wartezeit machen können.

Variante 1: Zeit der Vorbereitung

Ich versuche es mal anhand des folgenden Beispiels darzustellen: Wir können nicht erzwingen, wann wir unseren zukünftigen Ehemann kennen lernen. Wir können allerdings unsere Zeit bis dahin nutzen, um uns vorzubereiten.

Richard und ich sind dankbar, wie gut wir uns ergänzen. Nur aber weil wir verheiratet sind, bedeutet das nicht, dass dann alles wie am Schnürchen läuft. Ehe bedeutet, sich täglich neu füreinander zu entscheiden. Und auch wenn wir beide großartig zusammen passen, kann es trotzdem herausfordernd sein, sich selbst zurück zu stellen. Heute hatten wir wieder eine kleine Diskussion und mussten uns dafür entscheiden, die Wünsche des anderen zu berücksichtigen. Das fällt einem nicht immer leicht oder natürlich.

Ehe braucht Vorbereitung, die Bereitschaft an sich selbst zu arbeiten, Beziehungs-Know-How und auch die Entwicklung einer gesunden Streitkultur.

Aber eigentlich beginnt es noch viel früher: Die Bereitschaft, seine Bedürfnisse auch einmal zurück zu stellen, um die des anderen zu berücksichtigen oder auch die Entscheidung, seinen Wert nicht von seinem zukünftigen Partner oder Menschen allgemein abhängig zu machen, kann man bereits ohne Partner erlernen.

Natürlich könnt ihr auch erst damit anfangen, wenn ihr euren Partner bereits habt. Dennoch ist es für euch und euren Partner von großem Vorteil, wenn ihr schon als Single beginnt, diese Eigenschaften zu entwickeln. (Und das schöne ist, ihr könnt sie bereits praktisch anwenden und stärken, indem ihr die Beziehung zu eurer Familie und Freunde pflegt.)

Vielleicht ist es für euch eine ganz andere Situation. Doch auch in dieser könnt ihr euch überlegen, wie ihr eure Wartezeit nutzen könnt, um euch für das, worauf ihr wartet, vorzubereiten.

Variante 2: Neuer Fokus setzen

Wenn wir die Wartezeit nur damit verbringen, uns gedanklich ständig um unsere Probleme zu drehen, kann sie uns tatsächlich wie eine Zeitverschwendung vorkommen:

  1. Uns kann dabei relativ schnell schlecht werden.
  2. Mit der Zeit kommt uns das Problem noch größer vor als es ist.
  3. Und wir kommen überhaupt nicht vom Fleck.

Fokussieren wir uns zu sehr auf das, worauf wir warten, vergessen wir manchmal alles andere, was um uns herum ist. Ein Lebensbereich würde uns dann einnehmen und die Freude aus anderen nehmen. Hier kann es uns sehr helfen, wenn wir unseren Fokus auf etwas anderes richten.

Unser Leben besteht aus so vielen Bereichen. Vielleicht braucht es am Anfang etwas Zeit, bis uns einer einfällt, auf den wir uns stärker konzentrieren möchten. Doch vielleicht helfen dir folgende Vorschläge:

  • Wie kann ich die Wartezeit nutzen, um meine Beziehung zu Gott zu stärken?
  • Gibt es in einem Bereich noch Lügen, denen ich glaube? Wenn ja, lass mich diese aufdecken und schauen, was die Wahrheit ist (z.B. meine Identität etc.).
  • Wie kann ich anderen helfen? Gibt es einen Bereich, in dem ich sie unterstützen kann?
  • Wie kann ich die Zeit nutzen, um zu wachsen? Möchte ich mir eine gute Eigenschaft angewöhnen? Oder eine schlechte Gewohnheit ablegen?

Sicherlich gibt es noch viele weitere Varianten, wie wir mit unserer Wartezeit umgehen können. Diese sind nur als Beispiele gedacht. ❤️

Fazit: Was kann ich tun?

  1. Drang & Dringlichkeit: Warum ist es dir so wichtig?
  2. Vertrauen: Suche nach Gottes Zusagen und stelle dich auf sie.
  3. Wartezeit: Möchtest du sie als Vorbereitungszeit verwenden? Deinen Fokus neu setzen? Oder sie anderweitig nutzen?

Das Wichtigste schätze ich ist, dass wir Gott in unserer Situation vertrauen. Wir dürfen wissen, dass Gott alles unter Kontrolle hat. Er weiß, wann was das Richtige für uns ist. Ich mag vielleicht nicht alles kontrollieren können, aber ich darf wissen, dass Er auch eine schlimme Situation nutzen und sie zum Guten wenden kann. Darum kann ich warten.

Unsere Situationen mögen unterschiedlich aussehen, aber wenn wir wissen, wer Gott ist – Er meint es gut mit uns und weiß, wann was das Richtige ist -, können wir auch im Warten Zuversicht haben.

Lasst uns unserem Vater vertrauen. ❤️

Seid mächtig gesegnet, ihr Lieben!

In Liebe

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